Maria-Theresia-Klinik: Newsdetails
Einige Mitglieder des Schwesternkonvents der Maria-Theresia-Klinik: (v.l.n.r.) Hausoberin Schwester M. Imelda, Schwester M. Floria, Schwester M. Juventina, Schwester M. Licinia und Schwester M. Dalena
Schwester M. Rhabana mit einer weltlichen Kollegin in der Patientenaufnahme

Die guten Seelen der Maria-Theresia-Klinik

Für neun Barmherzige Schwestern ist die Klinik ihr Zuhause. Sie sind oft schon jahrzehntelang im Haus.

Einen Monat lang war Philipp Hoffmann, Student des Faches Medien- und Kommunikationsmanagement, Praktikant im Öffentlichkeitsreferat der Barmherzigen Schwestern. Einige Zeit verbrachte er auch mit den Schwestern der Maria-Theresia-Klinik. Den dabei entstandenen Bericht veröffentlichen wir gerne im Internet:

„Wir versuchen, den Nächsten in seiner Not zu sehen und ihm zu helfen. Ihm wollen wir mit Hochachtung und Hilfsbereitschaft begegnen und beistehen – ohne Rücksicht auf Volk, Rasse, Weltanschauung, Religion und gesellschaftliche Stellung.“ (Aus der Lebensordnung der Barmherzigen Schwestern)

Seit fast 200 Jahren leben und arbeiten die Barmherzigen Schwestern in München nach diesem Credo, das in der heutigen Zeit und bei den momentanen politischen Situationen weltweit nicht mehr selbstverständlich ist.

Auf Bitte des damaligen Königs Ludwig I. von Bayern entsandte das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Straßburg 1832 zwei Schwestern nach München, um hier eine neue Ordensgemeinschaft zu gründen und die Pflege im Allgemeinen Krankenhaus nahe des Sendlinger Tors zu übernehmen.

Innerhalb kürzester Zeit erarbeiteten sich die Barmherzigen Schwestern einen so guten Ruf, dass mehr und mehr Häuser die Schwestern um die Übernahme der Pflege baten. Es dauerte nicht lange, bis jedes städtische Krankenhaus in München mit den Barmherzigen Schwestern zusammenarbeitete. Im Jahr 1939, das Jahr des Kriegsbeginns, erreichte die Kongregation ihren Höchststand mit 2847 Profess-Schwestern, Novizinnen und Kandidatinnen. Eingesetzt waren sie in über 150 Einrichtungen wie Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen oder Kindergärten.

Liest man diese Zahlen, ist es unvorstellbar, dass die Barmherzigen Schwestern ihr Wirken mittlerweile auf zwei Krankenhäuser in München beschränken müssen. Das Krankenhaus Neuwittelsbach im Stadtteil Nymphenburg sowie die Maria-Theresia-Klinik an der Theresienwiese. Der Grund dafür ist der Mangel an jungen Schwestern. Konnte die Kongregation bis 1960 noch relativ viele Eintritte junger Frauen verzeichnen, nahm dann die Zahl der Kandidatinnen und Novizinnen stetig ab. Mittlerweile zählt die Kongregation noch gut 200 Schwestern.

Neun dieser Schwestern leben und arbeiten in der Maria-Theresia-Klinik: Haus- und Konventoberin Sr. M. Imelda, Sr. M. Rhabana in der Patientenaufnahme, Sr. M. Justinia als Seelsorgerin, Sr. M. Julitta und Sr. M. Domitia an der Pforte, Sr. M. Dalena in der Hauswirtschaft und als Organistin in der Hauskapelle, Sr. M. Juventina im Labor und in der Sakristei, Sr. M. Floria im Speiseraum der Schwestern sowie Sr. M. Licinia in der Ambulanz und im Archiv. Viele der Schwestern sind mittlerweile seit vielen Jahrzehnten im Haus und somit ist die Maria-Theresia-Klinik nicht nur Wirkungsstätte, sondern auch Zuhause für die Schwestern. Dies ist einer der Gründe, warum von Patienten immer wieder der freundliche und besonders familiäre Charakter der Klinik hervorgehoben wird. Schon beim Betreten der Klinik spürt man im hellen Empfangsbereich, dass hier eine besondere Atmosphäre herrscht und die Menschlichkeit in diesem Haus an erster Stelle steht.

Für die Ordensschwestern sind ihre Aufgaben in der Klinik nicht nur Beruf, sondern vielmehr Berufung. Die Entscheidung, in den Orden einzutreten und Gott und den Menschen zu dienen, fiel bei den meisten Schwestern schon in jungen Jahren und ist eine Aufgabe für das ganze Leben. Eine Aufgabe, die für die Schwestern mehr bedeutet als das bloße Nachgehen ihrer Arbeit. So gibt es für die Schwestern keine bestimmte Anzahl an Stunden in der Woche, vielmehr arbeiten sie so lange, wie ihre Anwesenheit notwendig ist, auch wenn das zunehmende Alter der Schwestern nicht mehr jede Arbeit im Haus zulässt. So hatte beispielsweise Sr. Rhabana lange Zeit die Stationsleitung inne oder Sr. Licinia war als Operationsschwester aktiv.

Doch nach wie vor haben alle Schwestern eine wichtige Aufgabe und tragen ihren Teil zum reibungslosen Ablauf im Klinikalltag bei. Viel wichtiger aber: Für viele Patienten haben die unaufgeregte Art oder auch nur die bloße Anwesenheit der Barmherzigen Schwestern eine beruhigende Wirkung. Die Ordensfrauen nehmen sich für jeden Patienten, aber auch für deren Angehörige ausreichend Zeit und versuchen, ihnen etwas von ihrem Leid abzunehmen und es an Gott weiterzureichen. Für viele gläubige Patienten ist die Segnung ein wichtiger Bestandteil der Genesung, der ihnen das nötige Gottvertrauen für die Operation gibt.

Die Hingabe, mit der die Schwestern ihre Aufgaben erfüllen, sich für ihre Patienten einsetzen und ihnen unvoreingenommen und mit großer Empathie gegenübertreten, ist  etwas Besonderes. Das Mitwirken der Schwestern verleiht dem klinischen Alltag eine wohltuende Ruhe, Gelassenheit und Würde und ist in der Münchner Kliniklandschaft einzigartig.

Philipp Hoffmann, Praktikant im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern

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