Maria-Theresia-Klinik: Gründe für eine Schilddrüsenoperation

Gründe für eine Schilddrüsenoperation

 

Knotige Veränderungen

Warum entstehen überhaupt Schilddrüsenknoten?
Schilddrüsenknoten sind keine seltene Erkrankung. Ein Viertel der Deutschen zwischen 20 und 60 Jahren hat Schilddrüsenknoten, bei den über 70-jährigen sogar jeder Zweite.

Die Knoten der Schilddrüse werden oft zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Sie entstehen bei entsprechender genetischer Anlage als Reaktion der Schilddrüse auf einen anhaltenden Jodmangel. Dieser Jodmangel war in Deutschland in den letzten Jahrzehnten sehr ausgeprägt. Selbst heute nehmen noch etwa 50 % der Deutschen in ihrer Ernährung zu wenig Jod zu sich.

Ist ein Schilddrüsenknoten gefährlich?
Schilddrüsenknoten sind fast immer gutartige Veränderungen.

Prinzipiell muss zwischen so genannten „heißen“ Knoten und „kalten“ Knoten unterschieden werden. Der Unterschied dabei liegt in der Hormonproduktion.

Heiße Knoten bestehen aus Zellen, die ihre Aufgabe, nämlich Schilddrüsenhormon zu bilden, besonders gut erledigen, sie sind sozusagen „fleißig“ und machen Ihre Aufgabe oft zu gut, unabhängig ob das Hormon überhaupt gebraucht wird. Man spricht dann von autonomen Adenomen. Oft könnte der Knoten noch mehr Hormon produzieren, es fehlt ihm aber an genügend Grundsubstrat, dem Jod. Erhält ein Patient mit einem heißen Knoten – z.B. bei einer Computertomographie oder einer Kontrastmitteluntersuchung – viel Jod, kann der Knoten dann plötzlich noch mehr Hormon produzieren, was dann zu einer manchmal bedrohlichen Schilddrüsenüberfunktion führt. Man spricht dann von einem dekompensierten autonomen Adenom.

Bösartige Veränderungen sind in heißen Knoten eine Rarität. Trotzdem sollte wegen der Gefahr der Schilddrüsenüberfunktion eine Behandlung erfolgen. Neben der Operation existiert hier eine zweite Behandlungsmöglichkeit, die so genannte Radio-Jod-Therapie.

Kalte Knoten bilden wenig oder kein Hormon. Die allermeisten – fast 96 % - aller kalten Knoten sind gutartige und harmlose Schilddrüsenknoten, die einfach weniger Hormon bilden. Sie müssen aber von anderen kalten Knoten (4 %) unterschieden werden, die deswegen kein Hormon bilden, weil sie nicht können, da sie kein normales Schilddrüsengewebe sind. Hierunter fallen auch die Schilddrüsenkarzinome.

Eine Unterscheidung ist nicht immer ganz einfach. Anhand von Ultraschallkriterien (z.B. Durchblutung des Knotens, mögliche Verkalkungen, unregelmäßige Begrenzung) oder der Geschwindigkeit des Wachstums kann ein erfahrener Spezialist das Risiko abschätzen. Ergänzend kann auch eine Probepunktion erfolgen.

Sollte es sich nach dieser Einschätzung um einen einzelnen, nicht verdächtigen kalten Knoten handeln, ist eine Operation nicht zwingend erforderlich. Dann sollte der Knoten regelmäßig im Abstand von 6 Monaten kontrolliert werden.

Handelt es sich um einen verdächtigen Knoten oder bestehen so viele Knoten, dass eine Ultraschall-Überwachung nicht mehr möglich ist, oder bereiten die Knoten durch Druck auf Speise- oder Luftröhre mechanische Probleme, ist eine Operation unumgänglich.

Wie viel muss entfernt werden?
Ist eine Operation nötig, sollten alle knotig veränderten Schilddrüsenareale entfernt werden. Einzelne Knoten zu belassen macht nur Sinn, wenn sie noch sehr klein sind. Um das Ausmaß der Operation individuell beurteilen zu können, führen wir vor jeder Operation noch einmal eine Ultraschalluntersuchung bei uns durch. Bestehen größere knotenfreie Areale in der Schilddrüse, können diese natürlich belassen werden. Häufig ist z.B. nur die Entfernung eines Schilddrüsenlappens nötig.

Kann meine Operation minimal-invasiv erfolgen?
In erster Linie richtet sich die Größe des Schnittes an der Größe des Organs das entfernt werden muss. Ein 6 cm großer Knoten kann nicht durch einen 1 cm großen Schnitt entfernt werden. Dies limitiert den Einsatz von minimalinvasiven Operationen naturgemäß auf kleine Schilddrüsen bzw. kleine Knoten. Wir werden dies individuell mit Ihnen im Vorgespräch klären, sprechen Sie uns darauf an.

Muss ich nach der Operation Schilddrüsentabletten einnehmen?
Dies hängt vom Ausmaß der Resektion ab. Langfristig reichen etwa 8 bis 10 ml Restgewebe aus, um eine ausreichende eigene Hormonbildung sicherzustellen.

 

Schilddrüsenkarzinome

Meistens werden Schilddrüsenkarzinome erst während der Operation bei der so gennten Schnellschnittuntersuchung diagnostiziert. Dabei wird die Schilddrüse sofort nach der Operation zum Pathologen zur Untersuchung gebracht. Bereits eine halbe Stunde später hat man ein vorläufiges Ergebnis.

Jährlich erkranken in Deutschland ca. 3 von 100.000 Einwohnern neu an einem Schilddrüsenkarzinom. Das Schilddrüsenkarzinom ist demnach ein seltener Krebs und macht ca. 1 % der Krebsfälle aus. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Rangiert das Schilddrüsenkarzinom bei der Häufigkeit weit unten, so steht es bei der Prognose ganz oben. Schilddrüsenkrebs ist sehr gut behandelbar und fast immer heilbar.

Es werden mehrere Typen unterschieden:

ž- Papilläres Karzinom

ž- Follikuläres Karzinom

ž- Medulläres Karzinom

ž- Seltene andere Karzinome (z.B. anaplastisches Karzinom)

Die verschiedenen Typen unterscheiden sich sowohl bei der Prognose als auch bei der Behandlung.

Die Operation ist die Therapie der Wahl. Dabei muss in den meisten Fällen die gesamte Schilddrüse entfernt werden. Lediglich bei kleinen Karzinomen unter 1 cm reicht manchmal die halbseitige Entfernung der Schilddrüse aus. Je nach Typ und Größe werden bei dem Eingriff auch die betroffenen Lymphknoten am Hals mit entfernt.

Nach der Operation ist bei den meisten Patienten zur Erhöhung der Sicherheit noch eine zusätzlichen Behandlung mit schwach radioaktivem Jod (Radio-Jod-Therapie) nötig. Eventuell verbliebene Krebszellen werden dabei durch das radioaktive Jod abgetötet.

Chemotherapien sind beim Schilddrüsenkarzinom nicht wirksam und spielen daher keine Rolle. Eine Bestrahlung ist nur in Ausnahmefällen nötig.

 

Schilddrüsenüberfunktion

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann im Wesentlichen zwei Gründe haben:

Heiße Knoten können zu einer Überfunktion führen. Nähere dazu finden Sie bei Schilddrüsenknoten.

Von einer disseminierten Autonomie spricht man, wenn  nicht ein einzelner heißer Knoten zur Überfunktion führt, sondern sehr viele kleine heiße Areale sich ergänzen. Als Alternative zur Operation kommt hier die Radio-Jod-Behandlung (RJT) in Frage, die in geeigneten Fällen (keine gleichzeitigen kalten oder verdächtige Knoten, keine mechanisch störende Komponente) auch ohne eine Operation die Schilddrüsenüberfunktion beseitigen kann.

Neben diesen autonomen Funktionsstörungen (autonomes Adenom, heiße Knoten) ist der Morbus Basedow (benannt nach dem Arzt Karl A. von Basedow, 1799-1854) in Deutschland die häufigste Ursache für eine Überfunktion der Schilddrüse. Wie bei allen Autoimmunerkrankungen ist auch der Morbus Basedow überwiegend bei Menschen in jüngerem Lebensalter zu finden. Ein Häufigkeitsgipfel für die Erkrankung liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Frauen sind dabei fünf- bis sechsmal mehr betroffen als Männer. Die Erkrankung kann auch im Kindesalter auftreten.

Das Immunsystem bildet dabei irrtümlich Antikörper gegen den „TSH Rezeptor“, die so genannten TSH-Rezeptor-Antikörper (kurz „TRAK“). Diese Antikörper stimulieren die Schilddrüse genauso wie das eigentlich dafür vorgesehene Hormon TSH. Da dies nicht bedarfsgerecht geschieht, sondern eine permanente Stimulation stattfindet, resultiert eine dauerhaft vermehrte Schilddrüsenhormonsynthese mit der Folge einer sich klinisch manifestierenden Schilddrüsenüberfunktion. In der Regel treten die Zeichen der Überfunktion relativ plötzlich und vom Patienten deutlich bemerkbar auf. Zu den Zeichen der Überfunktion gehören Pulsbeschleunigung, Luftnot bei körperlicher Belastung, Blutdruckerhöhung, Schwitzen, Gewichtsabnahme bei gutem Appetit, Haarausfall, innere Unruhe, Nervosität, Schlaflosigkeit sowie häufigere Stuhlfrequenz bis hin zu Durchfällen.

Die TSH-Rezeptor-Antikörper können auch an andere Gewebsstrukturen binden: Bei den "Basedow'schen Glotzaugen", der endokrinen Orbitopathie, kommt es zu einer Entzündung des Gewebes hinter dem Auge, das "prätibiale Myxödem" ist eine Entzündung des Bindegewebes am vorderen Unterschenkel.

Bei vorliegenden Symptomen muss die Diagnose durch Ultraschall und Blutuntersuchungen bestätigt werden. Im Ultraschall findet sich oft eine knotenfreie, nur gering vergrößerte Schilddrüse, bei der meist eine gesteigerte Durchblutung auffällt. Die Bestimmung der Schilddrüsenwerte (T3, T4 und TSH) bestätigt dann die Schilddrüsenüberfunktion und die Erhöhung der TSH-Rezeptor-Antikörper beweist den M. Basedow.

Die Therapie des Morbus Basedow ist in der Regel zunächst konservativ, also ohne Operation. Es wird eine medikamentöse Therapie für 12 bis 18 Monate durchgeführt. Hierdurch wird die Schilddrüsenüberfunktion zunächst unterdrückt. Die am häufigsten eingesetzten Substanzen sind Thiamazol, Carbimazol, Propylthouracil und seltener Natriumperchlorat. Solange die Schilddrüse nicht übermäßig groß ist (Richtwert etwa 50 g), besteht unter einer konsequenten Therapie eine Chance für eine Spontanremission von 50 bis 60 %. Nach ein bis eineinhalb Jahren kann dann ein Auslassversuch gemacht werden. Treten danach erneut Symptome auf oder stellt sich die Schilddrüsenüberfunktion erneut ein, ist eine erneute medikamentöse Therapie meist nicht mehr Erfolg versprechend. Es sollte dann eine definitive Behandlung erfolgen. Dies bedeutet, dass die Schilddrüsenfunktion dauerhaft blockiert wird, entweder durch eine Radio-Jod-Therapie oder eine (fast) komplette operative Entfernung der Schilddrüse.

Die operative Entfernung der Schilddrüse ist in einem Schilddrüsenzentrum eine komplikationsarme, wenig belastende Operation mit dauerhaftem Erfolg. Gegenüber der Radio-Jod-Therapie bietet sie, vor allem bei durch Knotenbildung deutlich vergrößerter Schilddrüse und bei einer gleichzeitig bestehenden endokrinen Orbitopathie deutliche Vorteile.