Maria-Theresia-Klinik: Hernienchirurgie

Hernienchirurgie

Ein Schwerpunkt der Maria-Theresia-Klinik ist die Hernienchirurgie, also der operative Verschluss von Brüchen. Wir operieren etwa 700 Hernien pro Jahr. Die genauen Zahlen sind in den jeweiligen Jahresberichten detailliert aufgeführt.

Hernien, auch Brüche genannt, sind angeborene oder erworbene Schwachstellen bzw. Lücken in der Bauchwand, durch die sich Teile des Bauchraumes nach außen vorwölben können.

Die Lücke entspricht dabei der Bruchpforte. Im Bruchsack befindet sich der Bruchsackinhalt, der aus Fettgewebe oder auch aus einem Darmstück bestehen kann.

Rutscht der Bruchinhalt spontan oder bei Manipulation in den Bauchraum zurück, spricht man von einer reponiblen Hernie. Bei nicht reponiblem Bruchinhalt und starken Schmerzen ist von einer Einklemmung auszugehen, was einer chirurgischen Notfallsituation entspricht. 

Eine spontane Heilung, also ein spontaner Verschluss der Bruchpforte, ist im Erwachsenenalter nicht zu erwarten. Die Operation sollte durchgeführt werden, solange die Beschwerden gering sind und bevor eine Einklemmung eintritt.

Am besten ist, Sie vereinbaren zunächst einen ambulanten Termin, dann können wir individuell besprechen, wie am besten vorzugehen ist und ob eine Operation überhaupt nötig ist.

Abhängig von der Stelle der Bauchwand, an der die Lücke auftritt, werden Hernien unterschiedlich bezeichnet:

Leistenhernien
Nabelhernien
Schenkelhernien
Narbenhernien
Epigastrische Hernien
Parastromale Hernien
Zwerchfellhernien
Seltene Hernien

Leistenhernien (Leistenbrüche)

Bei der Leistenhernie, auch Inguinalhernie genannt, entspricht die Schwachstelle der Bauchdecke dem so genannten Leistenkanal. Dies ist eine physiologische, also „normale“ Öffnung in der Bauchwand, durch die die Samenstranggefäße nach außen treten. Deswegen ist der Leistenbruch beim Mann deutlich häufiger als bei Frauen, bei denen der Leistenkanal zwar ein Aufhängeband der Gebärmutter enthält, aber normalerweise verschlossen ist.

Als Symptom fällt häufig eine unter Umständen schmerzfreie Vorwölbung im Bereich der Leiste auf, ohne dass größere Beschwerden bestehen. Treten Beschwerden auf, werden sie meist als ziehende Schmerzen in der Leiste beschrieben, die vor allem beim Tragen schwerer Gegenstände, beim Husten oder nach längerer körperlicher Anstrengung bestehen und teilweise in den Hoden ausstrahlen.

Als Untersuchung reicht meist einfaches Abtasten aus. Sollte der Befund nicht eindeutig sein, kann eine Ultraschalluntersuchung Klarheit bringen. 

Die Möglichkeiten der operativen Versorgung sind vielfältig. Prinzipiell muss zwischen offenen Operationen (wie der OP nach Shouldice oder Lichtenstein), bei denen der Schnitt direkt über dem Bruch liegt, und endoskopischen, also minimal-invasiven Verfahren (TAPP/TEP) unterschieden werden. Bei letzteren erfolgt der Verschluss der Lücke von innen, also über einen kleinen Schnitt am Nabel.

Häufig kommen auch Kunststoffnetze zur Stabilisierung zum Einsatz.

Alle Verfahren haben Vor- und Nachteile. Ein „bestes“ Verfahren gibt es nicht. Hernienchirurgie ist diesbezüglich eine sehr individuelle, maßgeschneiderte Chirurgie. Welches Verfahren für Sie am geeignetsten ist, besprechen wir gerne in einem persönlichen Vorgespräch. Bitte vereinbaren Sie einen Termin mit uns.

Die stationäre Behandlungsdauer beträgt je nach Verfahren und individuellen Gegebenheiten ein bis zwei Tage (ambulant oder 1 Nacht stationär).

Nabelhernien (Nabelbrüche)

Der Nabel ist eine physiologische Schwachstelle der Bauchdecke, da hier während der Embryonalzeit die Nabelschnur in den Bauchraum eingetreten ist.

Nabelhernien sind häufige Hernien. Sie können bei Kindern ebenso auftreten wie bei Erwachsenen. Häufig sind auch Frauen während oder nach der Schwangerschaft betroffen.

An Beschwerden können lokale Schmerzen, die tastbare Öffnung oder die Vorwölbung des Nabels auftreten. 

Die Größe der Bruchpforte kann im Ultraschall sehr gut vermessen werden. Je nach Größe wird die Hernie dann entweder durch eine direkte Naht verschlossen oder es kommen Kunststoffnetze zum Einsatz.

Je nach Größe der Hernie kommen ambulante oder kurze stationäre Aufenthalte in Frage.

Welches Verfahren für Sie am geeignetsten ist, besprechen wir gerne in einem persönlichen Vorgespräch. Bitte vereinbaren Sie einen Termin mit uns.

Schenkelhernien

Bei der Schenkelhernie, oder auch Femoralhernie genannt, ist die Bruchpforte, also die Schwachstelle in der Bauchwand, dort, wo die Beinschlagader den Bauchraum in Richtung Oberschenkel verlässt. Sie liegt nur wenige Zentimeter neben der Leistenbruchpforte.

Daher kann man Leisten- und Schenkelhernien manchmal nur schwer, oft nur sonographisch, unterscheiden.

Schenkelhernien treten aufgrund der unterschiedlichen Geometrie des weiblichen Beckens bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern. Sie neigen häufig zur Einklemmung und sollten daher immer operativ behandelt werden.

Die Beschwerden sind ähnlich wie die einer Leistenhernie, also ziehende, teils stechende Schmerzen in der Leiste. Häufig sieht man keine echte Vorwölbung, da der Bruchsack sich unter dem Leistenband Richtung Oberschenkel ausdehnt. 

In der Regel werden Schenkelhernien minimal-invasiv, also durch eine endoskopische Operation, mit Einlage eines Kunststoffnetzes behoben. Meist ist hierfür ein kurzer stationärer Aufenthalt mit einer Übernachtung nötig. Bitte vereinbaren Sie auch hier einen Termin für ein Vorgespräch.

Narbenhernien (Narbenbrüche)

Jede Voroperation hinterlässt eine Narbe, nicht nur an der Haut, sondern auch im Bereich der Muskel- und Bindegewebsschicht. Diese Narbe ist nicht so stabil wie eine normale, gesunde Bauchdecke und kann daher ebenfalls Ursprung für eine Hernie sein.

Etwa 15-20 % aller operierten Patienten entwickeln im Laufe ihres Lebens einen Narbenbruch.

Die Symptome sind wie bei allen Hernien die Vorwölbung und der Schmerz.

Narbenhernien werden erfahrungsgemäß mit der Zeit größer, und damit auch schwieriger zu beheben. Eine Operation sollte daher relativ frühzeitig erfolgen. 

Bei sehr kleinen Hernien kann der Verschluss operativ ausnahmsweise durch eine direkte Naht der Bindegewebsschicht erfolgen. Um ein Wiederkehren (Rezidiv) zu vermeiden, muss bei den meisten Narbenhernien allerdings ein Kunststoffnetz zur Verstärkung eingebracht werden.

Je nach Lage des Netzes unterscheidet man zwischen der „Onlay“-Versorgung, bei der das Netz außen auf die Muskelschicht aufgebracht wird, der „Sublay“-Versorgung, bei der das Netz wie ein Sandwich zwischen die Schichten der Bauchwand eingebracht wird, und der „IPOM“-Versorgung, bei der speziell beschichtete Netze innen in den Bauchraum eingebracht werden.

Zur Versorgung von Narbenhernien sind offene Operationen, also durch den „alten“ Schnitt, ebenso möglich wie laparoskopische, minimal-invasive Verfahren.

Welches Verfahren am besten geeignet ist, hängt von der Größe und Anzahl der Lücken, von der Art der Voroperation und vom Patientenwunsch ab.

Auch hier werden wir in einem Vorgespräch das geeignete, individuell auf Ihre Hernie zugeschnittene Verfahren mit Ihnen besprechen. Bitte vereinbaren Sie dazu einen Termin.

Da die operative Versorgung meist etwas aufwändiger ist als bei Leisten-, Schenkel-, oder Nabelhernien, ist fast immer ein mehrtägiger stationärer Aufenthalt nötig.

Epigastrische Hernien

Hernien zwischen Nabel und Brustbein werden als epigastrische Hernien bezeichnet. Ursächlich ist meist eine Verschlussstörung der Bauchdecke während der Embryonalzeit.

Die Hernien sind meist relativ klein und treten erst im Laufe des Lebens als Vorwölbungen auf.

Häufig bestehen außer der Vorwölbung und dem tastbaren Bruchsack keine oder wenig Beschwerden.

Je nach Größe der Bruchlücke, die sonographisch ausgemessen wird, stehen direkte Nahtverfahren mit einem kleinen Schnitt direkt über der Vorwölbung und netzbasierte Verfahren zur Verfügung. Hierbei kann das Netz sowohl über einen kleinen Schnitt offen als auch minimal-invasiv also endoskopisch eingebracht werden.

Da die Hernien meist relativ klein sind, ist die operative Versorgung oft ambulant oder in einem kurzen stationären Aufenthalt möglich.

Details werden individuell in einem Vorgespräch mit Ihnen besprochen. Bitte vereinbaren Sie dazu einen Termin.

Parastomale Hernien

Eine relativ häufige Erkrankung bei Stomapatienten ist die parastomale Hernie.

Zur Ausleitung des Darms oder der Blase wurde bei der operativen Anlage des Stomas ein Kanal geschaffen, durch den der Darm ausgeleitet wurde. Dieser Kanal stellt eine Schwachstelle dar. Weitet sich dieser Kanal, kann neben dem Stoma auch anderer Darm aus dem Bauchraum unter die Haut verlagert werden.

Folge ist eine Vorwölbung des Stomas, welche die Stomaversorgung erschweren kann. Zudem können derartige Hernien einklemmen und teils heftige Schmerzen verursachen. 

Eine operative Versorgung ist nötig, sobald zunehmende Schmerzen auftreten oder die Stomaversorgung nicht mehr möglich ist.

Die operative Versorgung ist technisch anspruchsvoll. Zunächst muss geklärt werden, ob das Stoma weiter benötigt wird, oder ob eine Rückverlagerung das Problem lösen kann. Muss das Stoma dauerhaft bestehen, muss die Lücke auf das ursprüngliche Maß eingeengt werden. Hierzu sind fast immer Kunststoffnetze nötig. Selten ist sogar die Verlagerung des Stomas an eine andere Stelle der Bauchwand nötig.

Um dies individuell mit Ihnen planen zu können, ist eine ambulante Vorstellung nötig. Bringen Sie dazu bitte – falls möglich – die Unterlagen der Voroperation mit. Zur Terminvereinbarung.

Zwerchfellhernien

Zwerchfellhernien sind so genannte innere Hernien, also Hernien, die man von außen nicht sieht.

Das Zwerchfell grenzt den Bauchraum nach oben gegenüber dem Brustkorb ab, es ist sozusagen das „Dach“ des Bauchraumes. Hier kann die Durchtrittsstelle der Speiseröhre („Hiatus“) eine Schwachstelle darstellen. Durch die dabei entstehende Hernie können Anteile des Magens in den Brustkorb verlagert werden. Dadurch funktioniert der Schließmechanismus des Magens hin zur Speiseröhre oft nicht mehr und es kann zu Sodbrennen und zur Refluxerkrankung kommen.

Sind größere Magenanteile in den Brustkorb verlagert (Thoraxmagen), kann auch die Passage der Nahrung behindert sein.

Die operative Korrektur erfolgt in der Regel minimal-invasiv. Nachdem der Magen und die Speiseröhre wieder in den Bauchraum verlagert wurden, muss der Hiatus, also die Durchtrittsöffnung, soweit eingeengt werden, dass der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt ist. Dies geschieht meist durch direkte Naht des Zwerchfells, nur bei sehr großen Hernien ist die Einlage eines Kunststoffnetzes nötig.

Meist wird zusätzlich zum Bruchlückenverschluß noch eine so genannte Refluxplastik durchgeführt (Fundoplikatio), durch die der Verschlussmechanismus des Magens wiederhergestellt wird.

Der stationäre Aufenthalt dauert in der Regel 4-5 Tage.

Da häufig noch Voruntersuchungen durchgeführt werden müssen, empfehlen wir Ihnen, vorab zur Planung unsere ambulante Sprechstunde zu besuchen. Zur Terminvereinbarung.

Seltene Hernien

Neben den zuvor genannten häufigen Hernien gibt es eine Vielzahl von Schwachstellen in der Bauchwand und des Zwerchfells, die nur selten zu Hernien führen. Zu nennen sind hier:

Spieghel-Hernien
Diese Hernie kann beidseits im Unterbauch auftreten. Schwachstelle ist der seitliche Übergang der geraden Bauchmuskulatur (Rektus) und die schräge Bauchmuskulatur. Die Diagnosstellung ist schwierig, da es sich meist nur um kleine Hernien handelt, die die Bauchmuskleschicht oft nicht komplett durchdringen.

Obturatorhernien und Perineale Hernien sind Hernien des Beckenbodens. Diese fast ausschließlich  bei Frauen auftretenden Hernien können Schmerzen im Becken verursachen.

Morgagni-Hernien und Bochdalek-Hernien sind seltene Zwerchfellhernien, also Hernien hin zum Brustkorb. Während bei der Morgagni-Hernie die Bruchpforte direkt am Knochen des Brustbeins liegt, ist die Bochdalekt Hernie eine so genannte Lumbosacrale Hernie, also nahe der Wirbelsäule gelegen.

Die meisten dieser Hernien werden laparoskopisch minimal-invasiv mit einer Netzeinlage verorgt. Bitte vereinbaren Sie einen Termin für ein Vorgespräch.